Es gibt heute in Hessen ca. 230 Tiere, im Westharz ca. 20 und in Sachsen-Anhalt ebenfalls ca. 20 Tiere im alten Höhenviehtyp. Das Interesse sehr vieler alter und auch junger Züchter im Harz und Vorharz, dem alten Verbreitungsgebiet der Rasse, ist sehr gross. Der RSA wurde wiederholt gefragt, ob nach so vielen Jahre Pause eine züchterische Bearbeitung möglich ist? Es stand sehr viel Erwartungshaltung einer ganzen Region hinter dieser Frage.
Die Analyse des Verbandes ergab ein eindeutiges Bild, so dass am 17. November in Tanne den Freunden und Züchtern das Konzept für Rotvieh im Harz vorgestellt wurde. Der RSA ist bereit: sich der Rasse „Rotes Höhenvieh“ in Zukunft anzunehmen und der interessierten Züchterschaft Heimstatt zu sein. (Der Antrag des RSA zur Erweiterung der Zuchtbuchordnung liegt zurzeit dem MELF vor).
Das Land Sachsen-Anhalt und die EU gewährten für alle weiblichen Zuchttiere des Roten Höhenviehs, die im RSA geführt werden eine Erhaltungsprämie, die ab 1996 beim zuständigen ALF beantragt werden kann. (Für Rinder bis zu 2 Jahren 138.- DM/Jahr, für ältere Rinder 230.-DM/Jahr.) Die Zukunft dieser alten Rasse liegt nicht in der Leistungszucht. Die Chance liegt wohl darin, regionale Kreisläufe zu schliessen und die für den Harz typische Landschaft umweltverträglich zu pflegen. Die Verbindung zwischen Landschaftspflege und Leistung aus wirtschaftseigenen Futter bestimmt das Zuchtziel und den künftigen Einsatz der Rasse in der Mutterkuhhaltung. Das „Rote Höhenvieh“ wird also züchterisch in Zukunft durch die Abteilung Fleischrinder betreut. Von Seiten der im RSA organisierten Mutterkuhhalter und Fleischrindzüchter wird die Rasse und die Gruppe der Harzer Rotviehzüchter als Bereicherung empfunden und mit Wohlwollen aufgenommen.
Nun ist es leider so, dass die geringe Populationsgrösse in der gesamten Bundesrepublik auf das neu erwachte Interesse begrenzend wirkt. Das unterscheidet diese vom Aussterben bedrohte Rasse nachhaltig von allen anderen. In dieser Frage bot sich die LVA Iden für eine befristete zeit an, ein sozusagen Rotviehvermehrungszentrum zu sein. Es steht dabei noch eine Vielzahl von Fragen offen, aber die Lösungen sind schon greifbar nahe. Der Elan aller Beteiligten spricht dafür, dass auch die offenen Fragen, die sich wie so oft im Leben vor allem um die Finanzierung drehen, gelöst werden. Es gibt Sponsoren (auch neue sind natürlich immer gefragt), die bereit sind, hier finanzielle Hilfe zu leisten.
Mit etwas Glück werden schon im 1. Quartal ‚96 einige ausgesuchte weibliche Tiere als ET-Donoren in die LVA Iden für ein mehrjähriges Programm eingestellt. Die daraus resultierende Nachzucht soll ausschliesslich an Züchter aus der alten Verbreitungsregion (Harz und Vorharz) verkauft werden. (Interessenten können jetzt schon Wünsche anmelden.) Könnte es also in gemeinsamer Initiative gelingen, alte Tradition wieder zum Leben zu erwecken und dem Roten Höhenvieh zwischen Mansfeld und Ilsenburg wieder eine neue „alte“ Heimat zu geben, sollten wir das alle als Bereicherung empfinden.
P.S. Die Harzer Züchter machen jetzt schon auf einen Termin aufmerksam, dem „Kuhball“ in Tanne anlässlich des feierlichen Viehaustriebs am Wochenende vor Pfingsten. Wie die „Harzer“ überhaupt aussehen, diese Frage wird zum nächsten Fleischrindertag beantwortet.
Gernot Pohl |