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Isidor - Beispiel für Bullenauswahl

 
 

Zuchtziele

Zuchtziel – Rotes Höhenvieh

Zuchtziel ist ein einfarbig, rotes bis rot-braunes Rind im mittleren Rahmen. Angestrebt wird eine volle Bemuskelung, um eine gute Fleischleistung und Schlachtausbeute zu erzielen. Rotes Höhenvieh (RHV) zeichnet sich durch hohe Fleischqualität und eine feine Fleischfaserung aus.

Der Erhalt der für Fleischrinder gute Milchleistung als Voraussetzung für hohe tägliche Zunahmen der Kälber, gepaart mit Mütterlichkeit ist in der weiteren Zuchtarbeit zu beachten. Rotes Höhenvieh eignet sich besonders für die Weidehaltung und Landschaftspflege. Die Leistung wird überwiegend mit wirtschaftseigenem Futter erbracht.

Rotes Höhenvieh zeichnet sich durch beste Fruchtbarkeit, Leichtkalbigkeit, hohe Widerstandskraft und Vitalität aus.

Rassetypische Merkmale:

 

  • die Haarfarbe ist rot, rotbraun bis dunkelbraun. Das Flotzmaul und die Hörner sollten hell, letztere mit dunklem Spitzen versehen sein. Die Schwanzquaste ist hell. Weisse Flecken am Euter werden toleriert.
  • Kopf mittellang mit breiter Stirn
  • Hals kurz und fest mit ausgeprägter Wamme
  • Gut entwickelte Vorhand bei tiefer Brust und Flanke
  • Langer Rücken, breite Lende
  • Langes und breites Becken, ausreichend bemuskelte Hinterhand
  • Korrekte trockene Gliedmassen, klare Sprunggelenke, dunkle harte Klauen
  • Nicht zu tief sitzendes Euter mit nach Möglichkeit gleichmässiger Viertelung und Strichen, die ein Saugen der Kälber ermöglichen.

 

Masse und Gewicht:

 

Gewicht (kg)

Widerrist (cm)

Kühe

550 – 700

130 – 140

Bullen

750 – 950

135 - 145

 

Rotes Höhenvieh (Harz) im RSA

Rotes Höhenvieh (Harz) im RSA

 

Eine Analyse zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft

 

Eine Rasse seit Jahrhunderten im Auf und Ab der Zuchtgeschichte. Die ersten Aufzeichnungen über diese Rasse datierten zurück auf etwa 16. Jahrhundert.

 

Die Entwicklung der letzen 100 Jahre
  • 1890 Beginnen der einheitlichen Herdbuchführung. Bis dahin führte jede Harzgemeinde ein eigenes Herdbuch. Durch diese Massnahmen enorm gefördert entstand ein mittelgrosses Höhenvieh im Harz in typischer Dreinutzung Arbeit-Milch-Fleisch. Die Rasse entwickelte und konsolidierte sich. Dazu trugen auch die etwa um diese Zeit datierende erste Milchkontrollen und die Schaffung von Bullenaufzuchtstationen bei.
  • 1902 Gründung des Verbandes der Harzviehzüchter
  • 1904 Züchterische Betreuung im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt

            -Stammzuchtgenossenschaft für Harzvieh, Sitz Ballenstedt

            - Verband zur Züchtung von Harzvieh in der Provinz Sachsen, Sitz Halle/Saale

  • 1911 Alle vorhandenen deutschen Rotviehschläge der Mittelgebirge (Vogelsberger, Vogtländer, Harzer u.a.) wurden zu einer Rasse, dem „Mitteldeutschen Rotvieh“ vereint.
  • 1905-45 In diesem Zeitraum wurde kein Fremdblut eingeführt. Die Tiere waren an das       Im Harz vorherrschende kärgliche, rohfaserreiche Futter angepasst. Sie waren hart und anspruchslos.

Ausgangssituation 1945 im Gesamtharz:

4.300 Herdbuchkühe
  • 1945-48 Es ging in Ost und West vornehmlich um „Tagesaufgaben“, um die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln. Die Leistungszucht ging zurück. Dazu kam die politische Teilung des Zuchtgebietes. Ohne eine Möglichkeit des Austausches.

Entwicklung im Westharz

  • Ab 1950 Die nur mässige Milchleistung entsprach den wirtschaftlichen Anforderungen nicht mehr. Es kam zu umfangreichen Einkreuzungen mit Dänischem Rotvieh. Trotz einiger Erfolge konnte das Ziel, ein leistungsstarkes Rind, das aber seine Härte behält, nicht erreicht werden.
  • 1962 Auflösung des „Verein der Harzviehzüchter“. Es entstand der Verband der Harz- und Rotviehzüchter e.V. Sitz Goslar. Die Herdbuchführung übernahm der Anglerzuchtverein. Zunehmend wurde Angler Rotvieh auf der Vaterseite eingesetzt.
  • 1966 Das Spermadepot des letzten vorhandenen reinrassigen Harzer Bullen wurde auf behördliche Anordnung vernichtet.
  • 1967 Es wurden keine Harzer Bullen mehr gekört. Damit wurde diese Rasse im Westharz ausgelöscht. In das noch vorhandene Rotvieh wurden mit aller Konsequenz Angler eingekreuzt.
Entwicklung im Ostharz
  • 1948 Beginn der Einkreuzung mit Roten Dänen, vor allem um Frühreife, Milchleistung und Euterqualität der Harzkühe zu verbessern und Einrichtung einer zentralen Bullenaufzuchtstation im VEG Bärenrode.
  • 1965 Die Herdbuchkühe erreichten durch die Einkreuzung eine durchschnittliche Milchleistung von 3.302 Kg und 4.16% Fett. Damit wurde zwar eine beachtliche Leistungsverbesserung erreicht, aber ein Anschluss an andere Rassen konnte nicht gefunden werden.
  • 1968 Einstellung der züchterischen Bearbeitung, konsequente Besamung aller Kühe mit Deutschen Schwarzbunten Bullen, Die daraus hervorgegangenen F1-Kreuzungen gingen später in das SMR auf.
  • 1970 Schlachtung des letzen Rotviehbullen der Besamungsstation Nordhausen.
  • Bis 1973 waren noch Spermavorräte in der Besamungsstation Nordhausen vorhanden, die bis 1974/75 zum Teil im Vogtland eingesetzt wurden.

Die Wende dieser Entwicklung – EINE MINUTE VOR ZWÖLF

Im Schwarzbuntbereich führten die Hochzuchten der bekannten HF-Linien unter Nutzung der KB und des Embryotransfer in den letzen Jahrzehnten zu sehr grossen Leistungssteigerungen. Landwirte, die von der „Milch“ leben müssen, konnten sich dieser Entwicklung nicht verschliessen. Zwangsläufig wurden die lokalen Zweinutzungsrassen, die dieser Entwicklung nicht standhalten konnten, stetig zurückgedrängt. Ein vorsichtiges Umdenken setzte in der Bundesrepublik in den 80-iger Jahren ein. Immer mehr setzten sich Gedanken durch, auch kleine Populationen, die typisch für eine Landschaft sind und diese mit geprägt haben, zu erhalten.

 

Als nun 1984 in der Zentralbesamungsstation Giessen unerwartet 60 Portionen Rotes Höhenviehsperma wieder entdeckt wurden (es stammte von dem Bullen „Uwe R12“ und war etwa 25 Jahre alt), wurde das in Hessen von verantwortungsbewussten Tierzüchtern als Chance gesehen  - als wohl letzte Chance für die Rasse.
  • 1985 Es begann die Suche nach lebenden weiblichen Tieren mit Höhenviehblut. Insgesamt konnten etwa 20 Tiere mit Blutanteilen von 25 – 50% gefunden werden. Diese weiblichen Tiere stammten auch aus dem Harz und aus Westfalen. Das heisst, alle noch in der Bundesrepublik vorhandenen Höhenrotviehschläge sind in den gegenwärtig vorhandenen 230 aktiven Kühen vertreten. Deshalb wurde durch den 1985 in Hessen gegründete „Verein zur Erhaltung und Förderung des Roten Höhenviehs e.V.“ empfohlen, nur noch von der Rasse „Rotes Höhenvieh“ zu sprechen.

Es gibt heute in Hessen ca. 230 Tiere, im Westharz ca. 20 und in Sachsen-Anhalt ebenfalls ca. 20 Tiere im alten Höhenviehtyp. Das Interesse sehr vieler alter und auch junger Züchter im Harz und Vorharz, dem alten Verbreitungsgebiet der Rasse, ist sehr gross. Der RSA wurde wiederholt gefragt, ob nach so vielen Jahre Pause eine züchterische Bearbeitung möglich ist? Es stand sehr viel Erwartungshaltung einer ganzen Region hinter dieser Frage.

Die Analyse des Verbandes ergab ein eindeutiges Bild, so dass am 17. November in Tanne den Freunden und Züchtern das Konzept für Rotvieh im Harz vorgestellt wurde. Der RSA ist bereit: sich der Rasse „Rotes Höhenvieh“ in Zukunft anzunehmen und der interessierten Züchterschaft Heimstatt zu sein. (Der Antrag des RSA zur Erweiterung der Zuchtbuchordnung liegt zurzeit dem MELF vor).

Das Land Sachsen-Anhalt und die EU gewährten für alle weiblichen Zuchttiere des Roten Höhenviehs, die im RSA geführt werden eine Erhaltungsprämie, die ab 1996 beim zuständigen ALF beantragt werden kann. (Für Rinder bis zu 2 Jahren 138.- DM/Jahr, für ältere Rinder 230.-DM/Jahr.) Die Zukunft dieser alten Rasse liegt nicht in der Leistungszucht. Die Chance liegt wohl darin, regionale Kreisläufe zu schliessen und die für den Harz typische Landschaft umweltverträglich zu pflegen. Die Verbindung zwischen Landschaftspflege und Leistung aus wirtschaftseigenen Futter bestimmt das Zuchtziel und den künftigen Einsatz der Rasse in der Mutterkuhhaltung. Das „Rote Höhenvieh“ wird also züchterisch in Zukunft durch die Abteilung Fleischrinder betreut. Von Seiten der im RSA organisierten Mutterkuhhalter und Fleischrindzüchter wird die Rasse und die Gruppe der Harzer Rotviehzüchter als Bereicherung empfunden und mit Wohlwollen aufgenommen.

Nun ist es leider so, dass die geringe Populationsgrösse in der gesamten Bundesrepublik auf das neu erwachte Interesse begrenzend wirkt. Das unterscheidet diese vom Aussterben bedrohte Rasse nachhaltig von allen anderen. In dieser Frage bot sich die LVA Iden für eine befristete zeit an, ein sozusagen Rotviehvermehrungszentrum zu sein. Es steht dabei noch eine Vielzahl von Fragen offen, aber die Lösungen sind schon greifbar nahe. Der Elan aller Beteiligten spricht dafür, dass auch die offenen Fragen, die sich wie so oft im Leben vor allem um die Finanzierung drehen, gelöst werden. Es gibt Sponsoren (auch  neue sind natürlich immer gefragt), die bereit sind, hier finanzielle Hilfe zu leisten.

Mit etwas Glück werden schon im 1. Quartal ‚96 einige ausgesuchte weibliche Tiere als ET-Donoren in die LVA Iden für ein mehrjähriges Programm eingestellt. Die daraus resultierende Nachzucht soll ausschliesslich an Züchter aus der alten Verbreitungsregion (Harz und Vorharz) verkauft werden. (Interessenten können jetzt schon Wünsche anmelden.) Könnte es also in gemeinsamer Initiative gelingen, alte Tradition wieder zum Leben zu erwecken und dem Roten Höhenvieh zwischen Mansfeld und Ilsenburg wieder eine neue „alte“ Heimat zu geben, sollten wir das alle als Bereicherung empfinden.

 

P.S. Die Harzer Züchter machen jetzt schon auf einen Termin aufmerksam, dem „Kuhball“ in Tanne anlässlich des feierlichen Viehaustriebs am Wochenende vor Pfingsten. Wie die „Harzer“ überhaupt aussehen, diese Frage wird zum nächsten Fleischrindertag beantwortet.

                            Gernot Pohl
 
                           
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